Corpus Christi

Terrence McNally, geboren 1939 in Florida, aufgewachsen in Corpus Christi (in Südtexas), ist Dramatiker, Musical-Librettist und TV-Autor. Seine Maria Callas-Hommage „Meisterklasse“ (1995) erlebte einen Welterfolg. Mit „Liebe Stärke Mitgefühl“ (Hamburger Schauspielhaus 1997) und „Lissabonner Traviata“ (u.a. 1998 Renaissance-Theater Berlin) wurde er gegenwärtig hierzulande der erfolgreichste amerikanische Bühnenautor.

Die Stadt Corpus Christi Corpus Christi liegt im Süden von Texas (USA). Die Hafenstadt ist durch einen Kanal mit dem Golf von Mexiko verbunden und hat 260.000 Einwohner. Der Hafen ist vor allem als Ausfuhrhafen für Baumwolle von Bedeutung. In Corpus Christi ist eine mannigfaltige Industrie angesiedelt, u.a. Erdölraffinerien sowie Elektronik-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie. Die Stadt verfügt über eine Universität, die erst 1971 gegründet wurde.

Terrence McNallys Theaterstück „Corpus Christi“ konfrontiert die Lebensgeschichte von Jesus Christus mit der gewalttätigen Ausgrenzung gesellschaftlicher Außenseiter von heute. McNallys Protagonist heißt Joshua und ist ein junger schwuler Amerikaner. Joshua ist schon früh ein Außenseiter, der bereits von seinen Mitschülern entweder gequält oder bestenfalls geduldet, aber nie verstanden wird. Er begegnet Judas, der sich in ihn verliebt, sowie elf weiteren jungen Männern. Es entsteht eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft am Rande der Gesellschaft. Joshuas konsequentes Eintreten für diese Gemeinschaft prädestiniert ihn als öffentlichen Sündenbock, in dessen Hinrichtung die Gesellschaft ihre latente kollektive Gewaltbereitschaft kanalisiert und entlädt. Die Rivalität der Mitglieder einer Gemeinschaft erzeugt ein hohes Potenzial an Gewalt. Um diese „kollektive Gewalt“ zu kontrollieren, wird sie auf ein bestimmtes „Opfer“, einen „Sündenbock“ gelenkt.

Die Uraufführung von „Corpus Christi“ fand 1998 unter massiven Protesten am Broadway in New York statt. Aufführungen in London (1999) und die deutschsprachige Uraufführung in Heilbronn (1999) führten zu weltweiten Diskussionen. Bombendrohungen und Drohbriefe begleiteten die deutschen Aufführungen und sorgten für einen enormen Pressespiegel.

Regie Frank Müller / Bühne,Licht&Organisation: Andi Großheim / Regieassistenz: Elisabeth Hauser / musikalische Leitung: Guido Preuß / Maske&Kostüm: Isabel Quesada Morote / Technik: Michael Waldl

Mit: Antonio Paradiso, Dimitri Tellis, Guido Preuss, Arne Hoffmann, Jürgen Schüller, Ralf-Hubertus Borgartz, Josef Tratnik, Jörg Kernbach, Matthias Horbelt, Rolf Emmerich, Carlos Garcia Piedra und Ralf Altenhofen.