Elementarteilchen

In „Les particules élémentaires“ ist fast kein Thema ausgelassen, das skandalträchtig ist: Es gibt Sexszenen in Fülle, das Szenario einer fortschreitenden Gentechnik wird als positive Utopie ausgemalt, und nebenbei rechnet Houellebecq noch mit der 68er-Generation ab. „Les particules élémentaires“, ist keine leichte Kost. Das Leben von Michel Houellebecqs Hauptpersonen, zwei Brüdern um die 40, ist verstrahlt von einer inneren Einsamkeit, die fast alle Freunde ausgerottet hat. Die gentechnischen Forschungen des einen Bruders und sexuellen Obsessionen und Experimente des anderen, die beschreibt Houellebecq mit derselben technischen Nüchternheit. Tapfer überstehen die Brüder, voneinander und von den Eltern getrennt, Kindheit und Jugend und müssen sich ihren ersten Begegnungen mit Frauen stellen, ohne je wirklich erfahren zu haben, was Zuneigung und Zuwendung sind. Die zaghafte Liebe, die trotz allem entsteht, erzählt Houellebecq ohne Schnörkel und Allüren. Leider wird der Erzählfluß immer wieder durch Monologe der Hauptpersonen unterbrochen, die versuchen, die Welt zu erklären. Bruno, einer der Brüder, stellt den Zusammenhang her zwischen der sexuellen Revolution nach 68 und der Tristesse von Swingerclubs und Bordellen.

Michel Houellebecq setzt sich in seinem Roman mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander – sein Roman ist einer der wenigen Preisgekrönten, die im heutigen Frankreich situiert sind und nicht in fernen Ländern und Zeiten. Seine Vision des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist nicht gerade optimistisch. Vereinzelung des Individuums, psychisches Elend, gnadenloser Wettbewerb beim Kampf um Zuneigung und Anerkennung. Für den Autor eine Erklärung.