Manhattan Medea

mit „Manhattan Medea“  greift Dea Loher auf den antiken Stoff zurück, der wohl am häufigsten bearbeitetet wurde. Sie hat ihn in die heutige Zeit übertragen, ihre Protagonisten sind Kriegsflüchtlinge vom Balkan. Geflohen, wie ihre Vorfahren, in die moderne Zivilisation. Seit sieben Jahren leben Jason und Medea in Amerika, ohne viel Geld und in widrigen Umständen. Eine Aussicht auf Veränderung und Fortschritt ist nicht in Sicht. Als Jason Claire, die Tochter eines reichen Wirtschaftsbosses kennenlernt, verlässt er Medea und das gemeinsame Kind, um Claire zu heiraten. Für Jason bedeutet die Heirat den sozialen Aufstieg, für Medea den Verrat an ihrer Person und der gemeinsamen Vergangenheit. Aus Verzweiflung und Angst, alles zu verlieren, plant Medea, Claire zu vergiften und tötet ihr eigenes Kind. Mit dem Kindsmord endet das Stück. Er markiert jedoch im Gegensatz zu der antiken Vorlage von Euripides keineswegs das unausweichliche Ende, auf das die Geschichte von Anfang an hinausläuft. Dea Lohers Stück konzentriert sich statt dessen auf die kausalen Zusammenhänge, die den Mord erst bedingen.

Dea Loher, Jahrgang 1964, studierte Philosophie und Germanistik in München. Für ihre Stücke „Olgas Raum“ (1992), „Tätowierung“ (1992) und „Adam Geist“ (1998) erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Die Autorin lebt in Berlin.

Regie: Frank Müller
Organisation/Produktionsleitung: Andreas Großheim
Bühne/Licht: Henning Oppermann/Andreas Großheim
Video: Bibi Abel
3D-Design: Henning Oppermann
Technik: Martin Kunze

mit: Silke Dornow, Marek Zedek, Rainer Hannemann,
Markus Klauk, Manfred Felter