Frank Müller und Andreas Grossheim eröffneten die Spielstätte „Theaterhaus Köln“ 1999 mit der Produktion Ödipus.

Shoppen und Ficken rührt fast alles an Schockthemen zusammen, was unsere heutige Gesellschaft zu bieten hat: sexueller Mißbrauch durch den eigenen Vater, ein Kind auf dem Schwulenstrich, Ecstasy-Drogenwahn und Pornovideos; ein Großdealer, der erfolglosen Straßenhändlern schon mal mit der Black & Decker-Bohrmaschine ein Loch in die Schädeldecke treibt; und eine WG von Verlierern, die aus ihrem Leben nichts machen.

Regie: Frank Müller
mit: Justine Hauer, Dimitri Tellis, Jürgen Schüller, Jörg Kernbach, und Mark Zak
Bühne/Licht: Andreas Grossheim

Mark Ravenhill, studierter Theaterwissenschaftler, Dramaturg und Regisseur. Er fängt so schockierend wie moralisierend das Lebensgefühl der 90er ein, spiegelt unsere rastlose, obszöne neue Welt der Spielhöllen, des manischen Konsums, der Drogen, Ex-und-hopp-Affären und Persönlichkeitsstörungen – ebenso wie die darunter verborgene Sehnsucht nach Zuneigung (The Times). Die Uraufführungsinszenierung auf der Studiobühne des Londoner Royal Court Theatre wurde 1996 überwiegend als Infragestellung der Gesellschaft aufgenommen.

Elementarteilchen: In „Les particules élémentaires“ ist fast kein Thema ausgelassen, das skandalträchtig ist: Es gibt Sexszenen in Fülle, das Szenario einer fortschreitenden Gentechnik wird als positive Utopie ausgemalt, und nebenbei rechnet Houellebecq noch mit der 68er-Generation ab. „Les particules élémentaires“, ist keine leichte Kost. Das Leben von Michel Houellebecqs Hauptpersonen, zwei Brüdern um die 40, ist verstrahlt von einer inneren Einsamkeit, die fast alle Freunde ausgerottet hat. Die gentechnischen Forschungen des einen Bruders und sexuellen Obsessionen und Experimente des anderen, die beschreibt Houellebecq mit derselben technischen Nüchternheit. Tapfer überstehen die Brüder, voneinander und von den Eltern getrennt, Kindheit und Jugend und müssen sich ihren ersten Begegnungen mit Frauen stellen, ohne je wirklich erfahren zu haben, was Zuneigung und Zuwendung sind. Die zaghafte Liebe, die trotz allem entsteht, erzählt Houellebecq ohne Schnörkel und Allüren. Leider wird der Erzählfluß immer wieder durch Monologe der Hauptpersonen unterbrochen, die versuchen, die Welt zu erklären. Bruno, einer der Brüder, stellt den Zusammenhang her zwischen der sexuellen Revolution nach 68 und der Tristesse von Swingerclubs und Bordellen.

Michel Houellebecq setzt sich in seinem Roman mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander – sein Roman ist einer der wenigen Preisgekrönten, die im heutigen Frankreich situiert sind und nicht in fernen Ländern und Zeiten. Seine Vision des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist nicht gerade optimistisch. Vereinzelung des Individuums, psychisches Elend, gnadenloser Wettbewerb beim Kampf um Zuneigung und Anerkennung. Für den Autor eine Erklärung.

Die Vagina-Monologe von Eve Ensler 
The Vagina Monologues: Das war 1996 zunächst der Titel einer bald sehr erfolgreichen und preisgekrönten One-Woman-Show, die erste Inszenierung eines Textes, der in weiterer Folge als Buch erschien, ehe er zum Kernstück des 1998 ins Leben gerufenen V-Days erklärt wurde. The Vagina Monologues war schon bald der Titel von Benefizlesungen in New York und London, im Rahmen derer Hollywood Stars von Glenn Close bis Kate Winslet Auszüge aus Ensler´s Text vortrugen. The Vagina Monologues war 1999 an dutzenden US-Colleges plakatiert: Das Stück wurde zum amerikanisch-feministischen Manifest erklärt. Seit der Uraufführung am kleinen HERE Theatre in New York im Jahr 1996 beschritt das Stück einen schnellen und erfolgreichen Weg zum internationalen Medienevent. Die Produktion übersiedelte wegen großen Erfolges ins Westside Theatre und wurde 1997 für den Drama Desk Award nominiert und mit dem begehrten Obie Award der New Yorker Stadtzeitung Village Voice, einem wesentlichen Forum für neue amerikanische Theaterströmungen, ausgezeichnet. 1998 wurde von Ensler die V-Day-Initiative ins Leben gerufen und damit der jährliche Valentinstag am 14. Februar zu einem Aktionstag gegen Gewalt an Frauen erklärt. Im Zuge dessen “überließ” Ensler die Vagina-Monologe erstmals anderen Frauen: Whoopi Goldberg, Glenn Close, Winona Ryder, Rosie Perez und Lily Tomlin tummelten sich vor einem ebenso prominenten Publikum auf der Bühne des Hammerstein Ballroom Theater in Manhatten. Dieser Charity-Event war Vorbild für eine szenische Lesung im ehrenwerten Londoner Old Vic mit Kate Winslet, Melanie Griffith, Gillian Anderson und Cate Blanchett. Enslers Interviewsammlung ist als witziges und intelligentes Theaterstück zum noch immer tabuisierten Thema “Vagina” zu entdecken.

Regie: Frank Müller 
mit: Stefanie Mühle, Justine Hauer und Wieslawa Wesolowska
Bühne/Licht: Andreas Großheim

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